Heikles Thema, künstlerischer Kampf

Schon seit bald einem Jahr beschäftigt mich ein ganz bestimmtes Thema. Ich wurde schon angehalten es aufzugeben, das Motiv wäre künstlerisch schwer umzusetzen… Ja, das stimmt wohl. Ich habe es gemalt, ich habe es gezeichnet, gesiebdruckt, mir den Kopf zerbrochen, wirklich zufrieden war ich nie.

Ich habe diese fixe Idee Ultraschallbilder künstlerisch umzusetzen. Sie lässt mich einfach nicht los und dies hat dazu geführt, dass ich viele Stunden mit Experimentieren verbracht habe. Es geht mir nicht darum die Ultraschallbilder meiner Kinder zu verewigen, was natürlich auch eine ganz tolle Sache ist :o), sondern dieses Motiv beschäftigt mich aus anderen Gründen.

Ich habe mich schon des öfteren mit dem Thema Sternenkinder auseinandergesetzt. Ein Tabuthema, das kaum angesprochen wird, aber so viele Familien betrifft. Sternenkinder, für die, die noch nie davon gehört haben, sind Kinder, die vor, während oder sofort nach der Geburt versterben.
Das erste Mal wurde ich damit konfrontiert, als meine erste Schwangerschaft in der 7. Woche endete. Ich konnte es wirklich sehr gut verarbeiten, geschah es doch noch früh, bevor ich überhaupt die erste Ultraschalluntersuchung hatte. Trotzdem fragt man nach dem Warum und sucht den Fehler an sich. Irgendwann gewinnt man die Erkenntnis, dass man eine Frau von vielen ist, der das passiert. Ich wurde ganz schnell wieder schwanger. Die Angst das Baby zu verlieren blieb aber präsent. Ich hatte noch zwei ganz unkomplizierte Schwangerschaften und habe mittlerweile zwei gesunde Kinder. Eigentlich sollte das Thema abgehakt sein, zumal es mich ja nicht einmal so sehr mitgenommen hatte. Es war mir ein Trost, dass dieses Baby wahrscheinlich ganz einfach nicht lebensfähig gewesen wäre, dass die Natur nun einmal so verfährt. Aber ich hatte eben noch keine wirkliche Bindung zu dem Embryo aufgebaut. Ich hatte ihn noch nicht gespürt, so wie ich meine Babys in den folgenden Schwangerschaften gespürt hatte. Ich machte mir Gedanken darüber, wie schlimm dies wohl sein müsste, ein Baby zu einem späteren Zeitpunkt oder sogar kurz vor der Geburt zu verlieren. Wie furchtbar es sein muss, wenn einem sämtliche Vorfreude auf das eigene Kind, die Liebe, die man da schon aufbringt, ganz einfach genommen wird. Wie man wohl den Boden unter den Füßen verliert und in tiefe Trauer verfallen muss, das Baby, das da in einem herangewachsen war, niemals kennenlernen zu dürfen.

Das trieb mich an, mir über Erinnerungsmöglichkeiten Gedanken zu machen. Jedoch kam ich nicht wirklich dazu konkret zu werden. Ein paar Wochen später hatte sich dann eine Frau gemeldet, die ihr Sternenkind künstlerisch verewigen wollte. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, wie ich das machen sollte und so kam es schlussendlich doch nicht zum Bild… Wieder ein paar Wochen später, wieder eine Frau, die ihr Baby verloren hatte und mich fragte, ob ich ihr einen Engel zeichnen könnte. Da mich dieses Thema schon so beschäftigte und ich ständig damit konfrontiert wurde hatte ich sie vertröstet, um mir Zeit zu verschaffen und mich damit auseinanderzusetzen.

Das Ultraschallbild des Babys ist oft das einzigste Erinnerungsstück, das der betroffenen Familie bleibt, und so habe ich die Ultraschallbilder meiner Mäuse in unzähligen Varianten bearbeitet, gezeichnet und gemalt. Übrigens, auch eine schöne Erinnerung an die Bauchzwergzeit.

Wie oben schon erwähnt ist dieses Motiv wirklich eine Herausforderung. Mit meiner Maltechnik war es nicht umsetzbar, viele Versuche, die scheiterten. Dann hatte ich es mit Siebdruck versucht… Das gefiel mir schon besser, aber es war mir zu wenig spontan. Ich wollte das Ultraschallbild nicht 1:1 übertragen. Da könnte man es sich ja gleich ausdrucken und an die Wand hängen. Nein, es sollte nicht unbedingt erkennbar sein, es sollte etwas abstrahiert sein, ein Bild was mit Fantasie auch etwas anderes sein könnte. Es sollte nicht „Hallo, ich bin ein Ultraschallbild!“ rufen. Es sollte künstlerisch sein. Diese Ansprüche, die ich an mich selbst stellte erleichterten die Sache nicht gerade.

Schlussendlich habe ich die Technik der Monotypie entdeckt, bzw. im Studiengang kennengelernt. Diese Technik zwingt den Künstler zu einer schnellen Arbeitsweise, denn ansonsten trocknet die Farbe ein. Ich liebe diese  spontanen, unvorhersehbaren, zufälligen Ergebnisse. Ich mag die schwarzen Drucke, aber es gibt noch unzählige Möglichkeiten damit zu spielen. Keines gleicht dem anderen, obwohl sich die Motive wiederholen.

Heute möchte ich euch erste Ergebnisse zeigen und bin gespannt auf eure Meinungen. Weiters arbeite ich auch noch an einer Möglichkeit das Ultraschallbild seines Sternenkindes oder auch seines gesund geborenen Babys ganz nah bei sich zu tragen. Dazu erzähle ich euch aber ein anderes Mal mehr.

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